Etwa 80 dünn besiedelte und abgelegene Bevölkerungsgruppen weltweit nutzen noch immer gepfiffene Sprache, doch nur rund 40 von ihnen wurden untersucht oder aufgezeichnet, so die jüngste begutachtete Zählung (siehe Abschnitt 1). Gepfiffene Sprache wird über Entfernungen von etwa 50 m bis 2 km verwendet, während Klicklaute, das andere Extrem menschlicher Lauterzeugung, in der WALS-Stichprobe nur in 10 von 566 Sprachen (1,8%) vorkommen (WALS Online, Kapitel 19). Die vorhandenen Klicksprachen reichen vom Hadza mit rund eintausend Sprechern (CNRS News 2020) bis zum isiZulu, der Haushaltssprache von 24,4% der Südafrikaner (Stats SA, Cultural Dynamics in South Africa 2025). Beide Systeme treiben die Sprache an ihre akustischen Grenzen, ein Thema, das sich auch durch unsere Zusammenstellung zu Tonhöhenverschiebungen im Vogelgesang bei Stadtlärm zieht. Wir haben Daten aus Frontiers in Psychology, dem immateriellen Kulturerbe der UNESCO, dem World Atlas of Language Structures (WALS), Current Biology, dem Journal of the Acoustical Society of America, Interspeech, Statistics South Africa und rund einem Dutzend weiterer Primärquellen zusammengetragen.
TL;DR
- Mindestens 80 Kulturen haben gepfiffene Versionen ihrer Lokalsprache entwickelt (Knowable Magazine 2021)
- Geübte Pfeifer erreichen 120 Dezibel, und gepfiffene Sprache ist bis zu 10-mal weiter zu verstehen als Rufen (Knowable Magazine 2021)
- Der Silbo Gomero kam 2009 in die Repräsentative Liste der UNESCO und wird seit 1999 an Schulen unterrichtet (UNESCO, immaterielles Kulturerbe)
- Fast 10.000 Menschen in der östlichen Schwarzmeerregion der Türkei sprechen oder verstehen gepfiffenes Türkisch (türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus)
- Das Sfyria, gepfiffenes Griechisch, überlebt in einem Dorf mit weniger als 30 Einwohnern und geschätzt 5 versierten Pfeifern (Interspeech 2025, Batchelder-Schwab et al.)
- Klicks kommen in 10 von 566 Sprachen (1,8%) der WALS-Stichprobe vor (WALS Online, Maddieson, Kapitel 19)
- Das Nǀuu hat 45 Klicklaute unter 73 Konsonanten (Miller et al., Working Papers of the Cornell Phonetics Laboratory 2007)
- Das Yeyi in Botswana hat mit 22 kontrastiven Klicks das größte Klick-Inventar unter den Bantusprachen (Sands und Gunnink, Language Science Press 2019)
- isiZulu und isiXhosa, beides Klicksprachen, sind die Haushaltssprachen von 24,4% bzw. 16,3% der Südafrikaner (Stats SA, Ergebnisse des Zensus 2022)
- Der zentrale alveolare Klick hat mit rund 1000 Hz den tiefsten spektralen Schwerpunkt (Miller und Shah, Interspeech 2009)
1. Wie viele Pfeifsprachen es gibt
Die Schlagzeilenzahl steigt weiter, aber nicht, weil mehr Menschen pfeifen. 2004 waren zwölf Pfeifsprachen teilweise beschrieben und bis zu sechzig weitere vermutet; die jüngste begutachtete Zählung führt etwa 80 Bevölkerungsgruppen auf der Karte, von denen rund 40 untersucht oder aufgezeichnet wurden (Frontiers in Psychology 2021). Die Lücke zwischen “gemeldet” und “dokumentiert” ist die eigentliche Geschichte: Etwa die Hälfte der gemeldeten Pfeifsysteme wurde noch nicht untersucht oder aufgezeichnet.
Entdeckungen gibt es weiterhin. Gepfiffenes Griechisch war eine “relativ junge Entdeckung im Jahr 1980”, und das gepfiffene TshiVend̯a in Südafrika war 1937 vom Musikwissenschaftler Percival Kirby in einem einzigen Satz beschrieben worden, ohne weitere Arbeit bis zur Feldforschung 2023 (Boston University Global Development Policy Center 2023).
| Metrik | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Weltweite Bevölkerungsgruppen mit gepfiffener Sprache / davon untersucht oder aufgezeichnet | Etwa 80 / rund 40 | Meyer, Magnasco und Reiss, Frontiers in Psychology 2021 |
| Teilweise beschriebene Pfeifsprachen / zusätzliche Sprachen mit vermuteter Pfeifform (Zählung von 2004) | Zwölf / bis zu sechzig | Meyer, Anais da Academia Brasileira de Ciências 2004 |
| Kulturen, die gepfiffene Versionen der Lokalsprache entwickelt haben | Mindestens 80 | Knowable Magazine 2021 (Holmes) |
| Varietäten des Mazateco im Hochland von Oaxaca, Mexiko / in gepfiffener Form aufgezeichnete Varietäten | 14 / 4 | Meyer, Anais da Academia Brasileira de Ciências 2004 |
| Erste Entdeckung des gepfiffenen Griechisch (Sfyria) | 1980 | Batchelder-Schwab, Michos und Barnes, Interspeech 2025 |
| Gepfiffenes TshiVend̯a: erste schriftliche Beschreibung / nächste Dokumentation | Ein Satz im Jahr 1937 / Feldforschung im Jahr 2023 | Boston University GDP Center 2023 |
Kontexthinweis: Die Zählungen von 2004 sind die jüngsten verfügbaren Daten dieser Erhebung; die Zahl von 2021 ist die aktuellste begutachtete globale Zählung, die wir verifizieren konnten.
2. Pfeifreichweite: Entfernung, Lautstärke und Frequenz
Gepfiffene Sprache existiert, weil sie die menschliche Stimme im Freien übertrifft. Pfeifer verständigen sich typischerweise über etwa 50 m bis 2 km, mit üblichen Medianentfernungen von 400-500 m, und das Signal bündelt hohe Leistung zwischen 800 und 4000 Hz. Dieses Band liegt über der Tonhöhe der meisten Hintergrundgeräusche, was erklären hilft, warum ein Pfiff dort trägt, wo ein Ruf verklingt. Zum Vergleich: Die Dezibelwerte, die Menschen in lauten Räumen beim Anheben der Stimme erreichen, behandeln wir in unserer Zusammenstellung zu Restaurantlärm und Lombard-Sprechen.
Die Lautstärkewerte sind bemerkenswert: 130 dB in 1 m Abstand vom Mund des Pfeifers in einer bioakustischen Erhebung von 2004 und 120 Dezibel für geübte Pfeifer in späteren Berichten (Knowable Magazine 2021, erneut veröffentlicht von Inverse). In nichttonalen Sprachen werden Vokale auf Tonhöhen abgebildet: Je weiter die Pfeifer kommunizieren müssen, desto höher liegen die Vokalfrequenzen, wobei /i/ unter 4 kHz bleibt und der tiefste Vokal über 1 kHz liegt (Meyer, Dentel und Meunier, Frontiers in Psychology 2017).
| Metrik | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Typische Entfernung gepfiffener Kommunikation / übliche Medianentfernung | Etwa 50 m bis 2 km, je nach Ort / 400-500 m | Meyer, Magnasco und Reiss, Frontiers in Psychology 2021 |
| Frequenzband, in dem Pfiffe hohe Leistung tragen | 800 bis 4000 Hz | Meyer, Magnasco und Reiss, Frontiers in Psychology 2021 |
| Maximal berichtete Reichweite in den Bergen von La Gomera | Bis zu 10 km | Meyer, Anais da Academia Brasileira de Ciências 2004 |
| In 1 m Abstand vom Mund des Pfeifers gemessener Schallpegel | 130 dB | Meyer, Anais da Academia Brasileira de Ciências 2004 |
| Von geübten Pfeifern erreichter Schallpegel | 120 Dezibel | Knowable Magazine 2021 |
| Entfernung, in der gepfiffene Sprache verstanden wird, im Vergleich zu gewöhnlichem Rufen | Bis zu 10-mal so weit | Knowable Magazine 2021 |
Kontexthinweis: Die 10-km-Zahl ist ein Maximum unter günstigen Bergbedingungen, während 50 m bis 2 km den Alltagsgebrauch beschreiben. Eine Pressemitteilung von Cell Press aus dem Jahr 2015 zum gepfiffenen Türkisch besagt, dass Dorfbewohner ab einer Entfernung von, sagen wir, 50 bis 90 Metern zur gepfiffenen Form wechseln (Cell Press via ScienceDaily), was zum unteren Ende dieses Bereichs passt.
3. Verständlichkeit und Lernkurve
Ein Pfiff reduziert Sprache auf eine einzige melodische Linie, und doch entschlüsseln Hörer den größten Teil davon. In René-Guy Busnels Tests wurden isolierte Wörter im gepfiffenen Türkisch zu etwa 70% erkannt, bei gebräuchlichen Sätzen stieg der Wert auf etwa 80-90%. Der Kontext leistet die Hauptarbeit: Der Satzrahmen stellt wieder her, was das reduzierte Signal verliert.
Auch unerfahrene Hörer schneiden besser ab als der Zufall. In einem Vier-Alternativen-Test mit gepfiffenen Vokalen mit 20 Muttersprachlern des Spanischen und 20 Muttersprachlern des Standardchinesischen (einer aus der Analyse ausgeschlossen) erzielte ein erfahrener Pfeifer 87,5%, während die unerfahrenen Gruppen 43,5% bis 55% erreichten, bei einer Zufallsquote von 25%. Auch die Sprachstruktur prägt den Pfiff: Das Chinantekische in Südmexiko hat sieben Töne, die die Tonhöhe tragen kann, während das Gavião im Amazonasgebiet nur zwei Töne hat, tief und hoch (Knowable Magazine 2021). Auch das Gehirn behandelt den Pfiff anders: Ein Team der Ruhr-Universität Bochum testete 31 Einwohner von Kuşköy und fand heraus, dass beide Hemisphären in den frühen Phasen des Verstehens von gepfiffenem Türkisch eine bedeutende Rolle spielten (Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum zu Current Biology 2015).
| Metrik | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Erkennung von gepfiffenem Türkisch: isolierte Wörter / gebräuchliche Sätze | Etwa 70% / etwa 80-90% | Meyer, Magnasco und Reiss, Frontiers in Psychology 2021 (zitiert Busnel) |
| In Tests erfolgreich verstandene Botschaften: Silbo von La Gomera / tonale Bai-Sprache Chinas | 95% / 80% | Meyer, Anais da Academia Brasileira de Ciências 2004 |
| Erfahrener Pfeifer, Kategorisierung gepfiffener Vokale | 87,5% richtige Antworten | Meyer, Dentel und Meunier, Frontiers in Psychology 2017 |
| Unerfahrene Hörer, mittlere Trefferquote: Sprecher des Spanischen / Französischen / Standardchinesischen | 53% / 55% / 43,5% (Zufall 25%) | Meyer, Dentel und Meunier, Frontiers in Psychology 2017 |
| Meilensteine im Silbo-Kurs: lauter Pfiff mit verschiedenen Tonhöhen / erste Wörter / richtig sprechen und jede Botschaft verstehen | Erste zwei oder drei Monate / vierter oder fünfter Monat / nach acht Monaten | Knowable Magazine 2021 (David Díaz Reyes) |
| Mit dichotischem Hören getestete Einwohner von Kuşköy (verschiedene Silben gleichzeitig auf jedes Ohr gespielt) | 31 | Ruhr-Universität Bochum, Current Biology 2015 |
Jüngste verfügbare Daten: Die Erkennungsraten für Türkisch stammen aus frühen Studien von Busnel und Kollegen, und die 95% beim Silbo aus Busnel et al. 1962b, beide wie in späteren Übersichtsarbeiten zitiert.
4. UNESCO-Schutz und Sprecherzahlen
Die UNESCO hat zwei Pfeifsprachen anerkannt (Knowable Magazine 2021), und ihre Einträge erzählen gegensätzliche Geschichten. Der Silbo Gomero steht auf der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit, gestützt durch Schulunterricht seit 1999 und eine Gemeinschaft von mehr als 22.000 Einwohnern von La Gomera (UNESCO, Eintrag Silbo Gomero 00172). Die Pfeifsprache der Türkei kam 2017 auf die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen immateriellen Kulturerbes, wobei die Handynutzung als eine der Hauptbedrohungen genannt wurde (UNESCO, Eintrag Pfeifsprache 00658).
Am anderen Ende steht das gepfiffene Griechisch: ein einziges Dorf mit weniger als 30 Einwohnern und geschätzt 5 versierten Pfeifern (Batchelder-Schwab, Michos und Barnes, Interspeech 2025). Die Finanzierung ist selbst dort bescheiden, wo der Schutz funktioniert: Der Cabildo (Inselregierung) von La Gomera gibt dem Lehrstuhl für Silbo Gomero der Universität La Laguna, einer eigenen Forschungs- und Lehreinheit, 35.000 Euro pro Jahr (Universidad de La Laguna 2025). Für das größere Bild des Sprachverlusts siehe unsere Statistiken zu bedrohten Sprachen.
| Metrik | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Silbo Gomero in die Repräsentative Liste der UNESCO aufgenommen | 2009 (Sitzung 4.COM) | UNESCO, immaterielles Kulturerbe |
| Silbo Gomero: spanische Vokale / unterschiedliche Vokalpfiffe; Konsonantenpfiffe | 5 / 2; 4 | UNESCO, immaterielles Kulturerbe |
| Pfeifsprache der Türkiye in die Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Kulturerbes aufgenommen | 2017 (Sitzung 12.COM, Jeju, 4.-9. Dezember 2017) | UNESCO; türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus |
| Menschen in der östlichen Schwarzmeerregion der Türkei, die gepfiffenes Türkisch sprechen und/oder verstehen können | Fast 10.000 | Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus |
| Einwohnerzahl des Heimatdorfs von Sfyria (gepfiffenes Griechisch) | Weniger als 30 Einwohner | Batchelder-Schwab, Michos und Barnes, Interspeech 2025 |
| Versierte Pfeifer des Griechischen heute | Deutlich unter zehn, vorsichtig auf 5 geschätzt | Batchelder-Schwab, Michos und Barnes, Interspeech 2025 |
| Jährliche Finanzierung des Silbo-Gomero-Universitätslehrstuhls / anfängliche Laufzeit der Vereinbarung | 35.000 Euro / vier Jahre | Universidad de La Laguna, 22. Mai 2025 |
Kontexthinweis: Die türkische Schätzung stammt vom türkischen Ministerium für Kultur und Tourismus, das Giresun, besonders dessen Bezirk Çanakçı, als Hauptstützpunkt nennt. Die Elementseite der UNESCO selbst nennt keine Sprecherzahl. Die Interspeech-Studie 2025 erfasste 3 Pfeifer und 1.075 analysierte Einzelbelege und fand, dass 43 von 45 gepfiffenen Vokalpaaren in irgendeinem akustischen Maß signifikant unterscheidbar waren.
5. Wo Klicklaute vorkommen
Klicks sind die seltenste Konsonantenklasse in der WALS-Stichprobe: 10 von 566 Sprachen, also 1,8%, gegenüber 45 Sprachen mit Labiovelaren und 21 mit Pharyngalen (WALS Online, Kapitel 19, Maddieson). Das Kapitel verortet Klicks in allen Khoisan-Sprachen des südlichen Afrikas (fünf in der Stichprobe: !Xóõ, Ju|‘hoan, //Ani, Deti und Khoekhoe), in drei ostafrikanischen Sprachen und in Bantusprachen, die sie durch Kontakt entlehnt haben, unabhängig voneinander in einem östlichen Gebiet (Zulu) und einem westlichen (Yeyi).
Diese Entlehnung kehrt die Sprecherrechnung um. Die älteren Klicksprachgruppen sind klein (das Hadza hat rund eintausend Sprecher), doch isiZulu und isiXhosa zusammen sind die Haushaltssprachen von 40,7% der Südafrikaner (24,4% plus 16,3%, unsere Summe der beiden Zahlen von Stats SA). Die Sprachtechnologie ist nur langsam gefolgt, eine Lücke, die wir in unserer Zusammenstellung zu Abdeckung der Spracherkennung bei ressourcenarmen Sprachen behandeln.
| Metrik | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Sprachen mit Klicks in der WALS-Stichprobe | 10 von 566 (1,8%) | WALS Online, Kapitel 19 (Maddieson) |
| Sprachen mit Labiovelaren / Pharyngalen in derselben Stichprobe | 45 / 21 | WALS Online, Karte 19A |
| Khoisan-Sprachen des südlichen Afrikas in der WALS-Stichprobe, alle mit Klicks | 5 | WALS Online, Kapitel 19 (Maddieson) |
| Ostafrikanische Sprachen mit Klicks (Sandawe, Hadza, Dahalo) | 3 | WALS Online, Kapitel 19 (Maddieson) |
| Von Khwe und San gesprochene Sprachen des südlichen Afrikas mit Klick-Repertoires | Etwa 30 | Knight et al., Current Biology 2003 |
| Hadza-Sprecher in Tansania | Rund eintausend | CNRS News 2020 |
| Südafrikaner mit isiZulu / isiXhosa als Haushaltssprache (Zensus 2022) | 24,4% / 16,3% | Stats SA, Cultural Dynamics in South Africa 2025 |
| Anteil des isiZulu in Haushalten in KwaZulu-Natal / Anteil des isiXhosa in Haushalten in der Provinz Ostkap | 80,0% / 81,8% | Stats SA, Cultural Dynamics in South Africa 2025 |
Kontexthinweis: Die genetische Studie von Knight et al. in Current Biology 2003 fand, dass die klicksprechenden Hadzabe und Juǀ’hoansi durch eine genetische Distanz getrennt sind, die so groß oder größer ist als die zwischen jedem anderen Paar afrikanischer Bevölkerungen, und folgerte, dass Klicks möglicherweise zehntausende Jahre überdauert haben. Zensuszahlen: Stats SA, Cultural Dynamics in South Africa, Report 03-01-84.
6. Klick-Inventare: Wie viele Klickphoneme
Die Größe des Inventars trennt die zentralen Klicksprachen von den Entlehnern. Das Nǀuu hat 45 Klicklaute unter insgesamt 73 Konsonanten, und es ist eine von nur drei Sprachen, zusammen mit dem ǃXóõ und dem ǂHoan, für die berichtet wird, dass sie alle fünf Klicktypen im Kontrast haben; für keine Sprache werden mehr als fünf berichtet (Miller et al., The Sounds of Nǀuu, Working Papers of the Cornell Phonetics Laboratory 2007). Die Zahl vervielfacht sich, weil sich jeder Klicktyp mit Begleitartikulationen wie Stimmhaftigkeit, Nasalität und Aspiration verbindet.
Bantu-Entlehner nutzen weniger Klicktypen, können aber dennoch große Inventare aufbauen: Das Yeyi in Botswana hat 22 kontrastive Klicks, und die Nguni-Sprachen und das Yeyi in Namibia haben zwischen 10 und 20 (Sands und Gunnink, Clicks on the fringes of the Kalahari Basin Area, 2019). Der Lexikonanteil zeigt die eigentliche Kluft: Klicks kommen in 14% des Zulu-Lexikons und 17% des Xhosa vor, während in allen zentralen Sprachen des Kalahari-Beckens mehr als 50% des Lexikons einen Klick enthalten, im Durchschnitt 68%.
| Metrik | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Klicklaute des Nǀuu unter allen Konsonanten (der Rest: 25 pulmonale, 3 glottalische) | 45 von 73 | Miller et al., Working Papers of the Cornell Phonetics Laboratory 2007 |
| Maximale Zahl kontrastierter Klicktypen in einer berichteten Sprache | Fünf | Miller et al., Working Papers of the Cornell Phonetics Laboratory 2007 |
| Konsonantenkontraste des ǃXóõ insgesamt | 119 | Miller et al., Working Papers of the Cornell Phonetics Laboratory 2007 |
| Kontrastive Klicks des Yeyi in Botswana (größtes Klick-Inventar unter den Bantusprachen) | 22 | Sands und Gunnink, Language Science Press 2019 |
| Klickphoneme des Xhosa / Zulu | 18 / 15 | Sands und Gunnink, Language Science Press 2019 |
| Klickphoneme des Südsotho / Lexikonanteil mit Klicks | 3 / 3-5% | Sands und Gunnink, Language Science Press 2019 |
| Konsonanten des Hadza / davon Klicks | 65 / ein Dutzend | CNRS News 2020 |
| Klick-Inventar des Damin (ritueller Sprachstil des Lardil, Australien) | Fünf Klicklaute | Moisik und Dediu, Journal of Language Evolution 2017 |
Daten-Hinweis zu dieser Tabelle: Das SADiLaR African Language Grammar Portal zählt im isiXhosa 15 Klicklaute, drei davon grundlegend, gegenüber 18 Klickphonemen bei Sands und Gunnink; die Abweichung spiegelt wider, wie Begleitartikulationen gezählt werden. Das Nǀuu wird laut Miller et al. noch von weniger als zehn Menschen in der Provinz Nordkap in Südafrika gesprochen (jüngste verfügbare Daten: 2007).
7. Akustische und anatomische Eigenschaften von Klicks
Klicktypen unterscheiden sich vor allem dadurch, wo die Energie des Bursts liegt. Der spektrale Schwerpunkt des dentalen Klicks liegt bei Sprecherinnen um 4000 Hz, während der zentrale alveolare Klick mit rund 1000 Hz bei allen Sprechern am tiefsten liegt, in einer Studie mit vier Sprechern des Mangetti-Dune-!Xung (Miller und Shah, The Acoustics of Mangetti Dune !Xung Clicks, Interspeech 2009). Der spektrale Schwerpunkt ist die mittlere Frequenz der Burstenergie, eine einzelne Zahl, die zusammenfasst, ob ein Klick scharf oder hohl klingt.
Diese Kontraste können erodieren. Im Tsua, einer stark bedrohten ostkalaharischen Khoe-Sprache, unterscheiden sich die Bursts des alveolaren und des palatalen Klicks nicht signifikant in spektralen Momenten, Burstdauer oder Intensität, während sich im Juǀ’hoan dasselbe Paar in allen Maßen signifikant unterscheidet (Mathes und de Voogt, Studies in African Linguistics 2023). Auch die Anatomie könnte eine Rolle spielen: Biomechanische Modellierung legt nahe, dass ein Gaumen ohne ausgeprägten Alveolarkamm den Aufwand für Klicks senkt, auch wenn die Autoren sagen, dass weitere Forschung nötig ist (Moisik und Dediu, Journal of Language Evolution 2017).
| Metrik | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Spektraler Schwerpunkt, dentaler Klick | Etwa 4000 Hz (Sprecherinnen), etwa 3000 Hz (Sprecher) | Miller und Shah, Interspeech 2009 |
| Spektraler Schwerpunkt, palataler Klick | 2500-3000 Hz (Sprecherinnen), 1500-2000 Hz (Sprecher) | Miller und Shah, Interspeech 2009 |
| Spektraler Schwerpunkt, lateraler Klick | Um 2000 Hz | Miller und Shah, Interspeech 2009 |
| Spektraler Schwerpunkt, zentraler alveolarer Klick | Um 1000 Hz bei allen Sprechern | Miller und Shah, Interspeech 2009 |
| Burstdauer geräuschhafter Klicks im Naro | Näher an 30 ms | Miller und Shah, Interspeech 2009 |
| Als konvex klassifizierte Gaumen: 110 männliche !Kung San gegenüber 138 Männern aus Kenia und Uganda | 57,3% gegenüber 26,1% | Moisik und Dediu, Journal of Language Evolution 2017 (zitiert eine frühere Gaumenerhebung) |
| Änderung der gesamten Muskelkraft, am stärksten veränderte Gaumensimulation gegenüber der Ausgangslage, freier Kiefer: Klicks gegenüber velaren Plosiven | 7,56% gegenüber 0,00% | Moisik und Dediu, Journal of Language Evolution 2017 |
| Methode zum Volumen des Zungenhohlraums: Bildrate des Ultraschalls / Produktionsphasen / koronale Klicktypen | 114 fps / fünf / vier | Miller, Journal of the Acoustical Society of America 2015 |
Kontexthinweis: Das Abstract von Miller (2015) im Journal of the Acoustical Society of America schätzt, wie sich die zwischen Zunge und Gaumen eingeschlossene Luftblase über fünf Phasen der Klickproduktion in der Größe verändert, und kombiniert dafür digitalisierte 3D-Gaumenabdrücke mit Ultraschall. Jüngste verfügbare Daten für die !Xung-Messungen: 2009.
Zusammenfassung: Pfeifsprachen und Klicklaute in Zahlen
| Metrik | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Kulturen, die gepfiffene Versionen der Lokalsprache entwickelt haben | Mindestens 80 | Knowable Magazine 2021 |
| Jährliche Finanzierung des Silbo-Gomero-Universitätslehrstuhls | 35.000 Euro | Universidad de La Laguna, 22. Mai 2025 |
| Klickphoneme des Südsotho | 3 | Language Science Press, Sands und Gunnink 2019 |
| Von geübten Pfeifern erreichter Schallpegel | 120 Dezibel | Knowable Magazine 2021 |
| Einwohnerzahl des Heimatdorfs von Sfyria (gepfiffenes Griechisch) | Weniger als 30 Einwohner | Interspeech 2025 |
| Getestete Einwohner von Kuşköy in der Hirnstudie zum gepfiffenen Türkisch | 31 | Ruhr-Universität Bochum, Current Biology 2015 |
| Aufnahme des Silbo Gomero bei der UNESCO | 2009 | UNESCO, immaterielles Kulturerbe |
| Pfeifsprache der Türkiye, Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Kulturerbes | 2017 | UNESCO, immaterielles Kulturerbe |
| Menschen, die gepfiffenes Türkisch sprechen oder verstehen können | Fast 10.000 | Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus |
| Versierte Pfeifer des Sfyria (gepfiffenes Griechisch) | Vorsichtig auf 5 geschätzt | Interspeech 2025 |
| Sprachen mit Klicks in der WALS-Stichprobe | 10 von 566 (1,8%) | WALS Online, Kapitel 19 |
| Von Khwe und San gesprochene Sprachen des südlichen Afrikas mit Klicks | Etwa 30 | Current Biology, Knight et al. 2003 |
| Klicklaute des Nǀuu | 45 von 73 Konsonanten | Working Papers of the Cornell Phonetics Laboratory, Miller et al. 2007 |
| Größtes Klick-Inventar unter den Bantusprachen (Yeyi in Botswana) | 22 kontrastive Klicks | Language Science Press, Sands und Gunnink 2019 |
| Zentrale Sprachen des Kalahari-Beckens: durchschnittlicher Anteil der Wörter mit Klicks | 68% | Language Science Press, Sands und Gunnink 2019 |
| Südafrikaner mit isiZulu / isiXhosa als Haushaltssprache | 24,4% / 16,3% | Stats SA, Ergebnisse des Zensus 2022 |
| Konsonanten des Hadza / davon Klicks | 65 / ein Dutzend | CNRS News 2020 |
| Spektraler Schwerpunkt, zentraler alveolarer Klick | Um 1000 Hz | Interspeech 2009, Miller und Shah |
Methodik und Quellen
Wir haben gezielt in der Typologie gepfiffener Sprache, der Bioakustik, den UNESCO-Einträgen, der Klicktypologie, der Klickphonetik und in Zensusdaten recherchiert und anschließend jedes Primärdokument direkt gelesen. Zahlen, die nur in Suchausschnitten oder in sekundären Blogs ohne genannte Quelle auftauchten, wurden verworfen. Sprachnamen und Phonemsymbole werden so wiedergegeben, wie sie die jeweilige Quelle druckt, außer dass der Klickbuchstabe mit senkrechtem Strich innerhalb von Tabellen als ǀ geschrieben wird, damit das Tabellenlayout nicht bricht.
- Meyer, Magnasco und Reiss, The Relevance of Human Whistled Languages for the Analysis and Decoding of Dolphin Communication, Frontiers in Psychology 2021
- Meyer, Dentel und Meunier, Categorization of Natural Whistled Vowels by Naive Listeners of Different Language Background, Frontiers in Psychology 2017
- Meyer, Bioacoustics of human whistled languages, Anais da Academia Brasileira de Ciências 2004
- Holmes, Knowable Magazine 2021, erneut veröffentlicht von Inverse
- UNESCO, Whistled language of the island of La Gomera (Canary Islands), the Silbo Gomero
- UNESCO, Whistled language (Türkiye), Liste des dringend erhaltungsbedürftigen Kulturerbes
- Türkisches Ministerium für Kultur und Tourismus, Whistled Language
- Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum zu Güntürkün, Güntürkün und Hahn, Whistled Turkish alters language asymmetries, Current Biology 2015
- Pressemitteilung von Cell Press zur selben Studie, über ScienceDaily, 17. August 2015
- Batchelder-Schwab, Michos und Barnes, Stress in Spoken and Whistled Greek, Interspeech 2025
- Boston University Global Development Policy Center, Documenting Whistled Languages in South Africa, 2023
- Universidad de La Laguna, Vereinbarung zum Lehrstuhl für Silbo Gomero, 22. Mai 2025
- WALS Online, Maddieson, Presence of Uncommon Consonants, Kapitel 19
- Knight et al., African Y chromosome and mtDNA divergence provides insight into the history of click languages, Current Biology 2003
- Miller et al., The Sounds of Nǀuu: Place and Airstream Contrasts, Working Papers of the Cornell Phonetics Laboratory 2007
- Sands und Gunnink, Clicks on the fringes of the Kalahari Basin Area, Language Science Press 2019
- SADiLaR African Language Grammar Portal, Inventory of click sounds (isiXhosa)
- Statistics South Africa, Cultural Dynamics in South Africa, Report 03-01-84, 2025
- CNRS News, Feldforschung zu den Konsonanten des Hadza und des Iraqw, 13. Mai 2020
- Miller und Shah, The Acoustics of Mangetti Dune !Xung Clicks, Interspeech 2009
- Mathes und de Voogt, A spectral moments analysis of Tsua and Juǀ’hoan alveolar and palatal click consonants, Studies in African Linguistics 2023
- Moisik und Dediu, Anatomical biasing and clicks, Journal of Language Evolution 2017
- Miller, A method for estimating lingual cavity volume in click consonants, Journal of the Acoustical Society of America 2015
- Daten-Hinweis: Die Zählungen von Pfeifsprachen hängen von der Schwelle für “dokumentiert” ab (zwölf teilweise beschrieben 2004, etwa 40 dünn besiedelte Bevölkerungsgruppen in einem Artikel von 2017, etwa 80 Bevölkerungsgruppen mit rund 40 untersuchten 2021). Die Entfernungsangaben reichen von einem Umschaltpunkt von 50 bis 90 Metern im gepfiffenen Türkisch über 50 m bis 2 km im typischen Gebrauch bis zu einem Maximum von 10 km auf La Gomera. Die Lautstärke beträgt 130 dB in 1 m Abstand in der Erhebung von 2004 gegenüber 120 Dezibel im Magazinbericht von 2021, und das Leistungsband ist 800 bis 4000 Hz (2021), 1 bis 4 kHz (Knowable Magazine) oder ein schmales Band, das typischerweise zwischen 1000 und 3000 Hz liegt (2004). Die UNESCO beschreibt zwei Vokalpfiffe für die fünf spanischen Vokale, während eine Abbildung im Frontiers-Artikel von 2021 vier verschiedene Vokalstufen desselben Pfeifers zeigt. Der Kapiteltext von WALS nennt eine Stichprobe von 566 Sprachen, während die Wertetabelle zu Karte 19A insgesamt 567 ergibt. Das isiXhosa hat laut Sands und Gunnink 18 Klickphoneme und laut SADiLaR 15 Klicklaute. Viele zentrale Zahlen stammen aus der Zeit vor 2023 und sind die jüngsten verfügbaren Daten; der Anteil von 40,7% für isiZulu plus isiXhosa ist unsere eigene Summe zweier Prozentwerte von Stats SA.
Zuletzt aktualisiert: 8. November 2026. Wir aktualisieren diese Zusammenstellung vierteljährlich, und die nächste Aktualisierung wird erwartet, wenn die nächste Runde der periodischen Berichte zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO (fällig am 30. Juni 2027) veröffentlicht wird.